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Die Alte Münze in München

Sitz des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege und – wie passend – selbst ein Denkmal

Von außen wirkt die Alte Münze relativ unscheinbar: Klassizistische Fassaden, die man aus München in Hülle und Fülle kennt. Nüchtern und schmucklos, nur an der Westfassade ein dekorativer Eingangsrisalit mit Dreiecksgiebel. Darunter die Inschrift „Moneta Regia 1809“. Königliche Münze – Was könnte sich in diesem Gebäude befinden?
Tatsächlich steht es schon sehr viel länger an dieser Stelle als die Inschrift vermuten lässt. Und auch der Anschein eines klassizistischen Bauwerks trügt. Ein Blick in den Innenhof verrät mehr: Hier lässt sich ein deutlicher Renaissancecharakter erkennen.

Ursprünglich wurde die Alte Münze 1536-1567 als Marstall- und Kunstkammergebäude von Herzog Albrecht V. zwischen dem Alten Hof – der ehemaligen Kaiserburg und Wohnsitz der Wittelsbacher – und der Neuveste/Residenz errichtet. 1807-1809 baute König Max I. Joseph das Gebäude zur Königlichen Münze („Moneta Regia“) um. Und seit 1986 ist sie Sitz des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege.

Doch bleiben wir zunächst im Innenhof – dem Herzstück der Alten Münze. Dieser ist aufgrund des ehemaligen Verlaufs des Pfisterbachs und den Grundstrukturen des Vorgängerbaus schiefwinklig gestaltet. Das Gebäude selbst zeigt sich als typischer Bau der deutschen Renaissance: Es gibt drei Stockwerke und offene Säulenarkaden, die an die Gliederung italienischer Palastbauten erinnern. Die Säulen folgen jedoch keiner klassischen Säulenordnung, sondern sind unregelmäßig angelegt. Im Erdgeschoss zeigen sie sich massiv, im ersten Obergeschoss sind sie eher kurz und der Arkadengang wirkt kompakt, während ebendieser sich im zweiten Obergeschoss mit schlanken und hohen Säulen luftiger präsentiert.

Die ursprüngliche Funktion der einzelnen Stockwerke als Marstall- und Kunstkammergebäude im 16. Jahrhundert lässt sich sehr gut an dem unterschiedlichen Aufbau der Säulen ablesen, der von unten nach oben hin immer schmaler und nobler wirkt: Im Erdgeschoss mit den massiven Arkaden waren früher Pferdeställe untergebracht. Hier gab es Platz für bis zu 200 Rösser. Im ersten Obergeschoss mit den gedrückten Arkaden und kurzen Säulen befanden sich die Personal- und Diensträume. Und das Obergeschoss – man sieht an den Fensterbögen noch, dass die Wand hier ursprünglich durch hohe Bogenfenster gegliedert war – beherbergte die Kunst- und Wunderkammer, in der Kunstobjekte und Kuriositäten unterschiedlichster Art untergebracht waren. Sie waren zwar für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, doch der Herzog präsentierte die Kostbarkeiten bei Rundgängen seinen Gästen, von denen wiederum erwartet wurde, dass sie die Sammlung durch wertvolle „Mitbringsel“ bereicherten. Durch die hohen Fenster konnte viel Licht in die Räume fallen, was wichtig war, um die Objekte in den Ausstellungsräumen gut in Szene setzen zu können. Bei den Umbaumaßnahmen im 19. Jahrhundert wurde dieses hohe Stockwerk geteilt, um mehr nutzbaren Raum zu schaffen. In den Ecken wurden besondere Kostbarkeiten in Kabinetten aufbewahrt. Die Farbgebung der Alten Münze, Anthrazit im Sockelbereich sowie gebrochenes Weiß an den Fassaden, entspricht derjenigen der Bauzeit und wurde während einer umfangreichen Sanierung in den 1990er Jahren wiederhergestellt.

Welche Funktion hatte dieses Münchner Kleinod im 19. Jahrhundert? Mit der Neugründung des Königreichs Bayern entstand die Notwendigkeit, eigenes Geld zu prägen. Entsprechend wurde 1807 das Gebäude der Königlichen Münze überlassen und der Marstall hinter die Residenz verlegt. Das Gebäude wurde für seinen neuen Zweck nach Plänen des Hofbauintendanten Andreas Gärtner – übrigens der Vater Friedrich von Gärtners - von Franz Thurn umgebaut. Die augenfälligsten Veränderungen waren die Unterteilung der Pferdeställe, die Einziehung einer Decke in das Museumsgeschoss, der Einbau mehrerer Dienstwohnungen sowie die für München typische klassizistische Überformung der Fenster und Fassaden. Die berühmte Kunstkammer wurde im Zuge des Umbaus aufgelöst und die Objekte auf verschiedene Sammlungen im Raum München verteilt. Im Erdgeschoss fanden Dampfwalzen und Prägemaschinen Platz, später installierte man hier auch eine Druckerei.

Das Haus hat inzwischen schon einiges gesehen – und nebst dem Krieg auch etliche Umbauten miterlebt. Das klassizistische Treppenhaus sowie der Nord- und Ostflügel wurden im Zweiten Weltkrieg durch eine Luftmine weitgehend zerstört. Die Wiederinstandsetzung des Gebäudes dauerte bis 1953, im Jahr 1957 wurde ein neues Treppenhaus im Stil der damaligen Zeit errichtet. Bis zum Jahr 1986 war die Alte Münze eine staatliche Münzanstalt und es wurden hier noch Münzen geprägt.

Seit beinahe 35 Jahren ist dieses einmalige Münchner Gebäude jetzt schon Sitz des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.

In Nicht-Corona-Zeiten sind sowohl das Gebäude als auch der Innenhof werktags zu den Bürozeiten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege geöffnet. Sie sind herzlich dazu eingeladen vorbei zu kommen, alles zu besichtigen und sich an unserem Zeitschriftenständer (im Treppenhaus „am Fuße“ der „Zerbrochenen Figur“) zu informieren.

À propos „Zerbrochene Figur“: Sie geht auf einen ehemaligen Mitarbeiter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege zurück, den 2006 verstorbenen Grafiker Erich Lindenberg, Bruder des bekannten Sängers Udo Lindenberg. Nachdem im Schloss Schleißheim die Gipsfragmente für den Bronzeguss des Denkmals für König Max I. Joseph gefunden wurden, arrangierte Lindenberg das Kunstwerk zur „Zerbrochenen Figur“ im Haupttreppenhaus der Alten Münze. Der intakte König thront nach wie vor nebenan auf dem Max-Joseph-Platz vor dem Nationaltheater.